Fallbeispiel Smart Health Anwendung

2021-06-10T11:20:58+01:0019. Februar 2021|

Prävention von Schlaganfällen mit Preventicus Managed Care

Smart Health, sprich die Digitalisierung von Versorgungsprozessen im Gesundheitswesen, ist einer der wichtigsten Trends auf dem Gesundheitsmarkt. Was lange nach Zukunftsmusik klang, ist endlich Realität – erste digitale Lösungen haben eine Kassenzulassung erhalten und werden für die Versorgung von Patienten eingesetzt. In diesem Smart-Health-Beispiel zeigen wir am Fallbeispiel von Preventicus, wie es möglich ist, mithilfe einer Smart Health App Herzrhythmusstörungen frühzeitig zu entdecken. Hierbei wurde ein digitales Ökosystem aufgebaut, das Ärzte und Kassen voll einbindet, um das Risiko von Schlaganfällen nachhaltig zu senken.

Problemstellung

Mit rund 1,1 Millionen Vorfällen jährlich gehören Schlaganfälle zu den wichtigsten Gesundheitsrisiken für Menschen in Deutschland und Europa, und Prognosen erwarten, dass diese Anzahl in den nächsten 15 Jahren sogar noch um ca. 15 % ansteigen wird. Neben den persönlichen Schicksalen der Betroffenen ergeben sich auch für die Gesundheitssysteme gewaltige Kosten, die jährlich auf bis zu 60 Milliarden Euro geschätzt werden.1

Etwa ein Drittel dieser Schlaganfälle steht in Verbindung mit einer als Vorhofflimmern bekannten Herzrhythmusstörung, die eine Erhöhung und Unregelmäßigkeit des Herzschlags verursacht. Einmal diagnostiziert, lässt sich die Erkrankung recht gut durch medikamentöse oder invasive Eingriffe behandeln, wodurch den meisten Betroffenen ein normales oder nahezu normales Leben ermöglicht wird. Leider bleibt die Krankheit aber häufig unerkannt, da sie sich oft nur mit sehr unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit oder Schlafstörungen andeutet2 – mit fatalen Folgen: Denn unentdeckt und damit unbehandelt erhöht sich das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, um 500 %.1 Dabei ist gerade eine frühe Diagnose besonders wichtig, da die Herzrhythmusstörung langfristig zu einer Verformung des Herzmuskels und dadurch zu einer Verschlechterung des Zustands führen kann.2 Für die rund sechs Millionen Betroffenen in Europa allein kann eine rechtzeitige Diagnose also lebensentscheidend sein.

Klassischerweise erfolgt die Diagnose über ein 24-Stunden-EKG, wobei mithilfe von Elektroden die elektrischen Signale des Herzens aufgezeichnet und hinterher ausgewertet werden können. Das Problem an diesem Vorgehen ist, dass die Herzrhythmusstörungen, die auf Vorhofflimmern hinweisen, teilweise sporadisch auftreten, was bedeutet, dass sie innerhalb des 24-Stunden-Fensters der Untersuchung häufig nicht entdeckt werden. Studien zeigen, dass die klassischen Untersuchungen in 75 % der Fälle scheitern, ein Vorhofflimmern erfolgreich zu diagnostizieren. Bei drei Vierteln der Untersuchten bleibt das Leiden unentdeckt. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Betroffenen weitestgehend symptomfrei ist und daher gar nicht erst einer Untersuchung unterzogen wird.

Lösung – Preventicus

Um dieses Problem zu lösen, hat Preventicus eine App entwickelt, die Menschen erlaubt, mithilfe der Kamera ihres Smartphones regelmäßig ihre Herzfrequenz zu messen. Die App richtet sich besonders an Menschen, die sich aufgrund ihres Alters oder anderer Faktoren in der Risikogruppe für Herzrhythmusstörungen befinden. So können diese, zum Beispiel wenn sie ein Herzrasen verspüren, überprüfen, ob sich in der Herzfrequenz bestimmte Auffälligkeiten entdecken lassen.

Doch die App ist nur der Einstieg, um eine digitalisierte Versorgung von Risikopersonen zu gewährleisten. Dabei fußt das System auf zwei Phasen, die sich in jeweils drei Abschnitte unterteilen lassen:

1. Screening – Hierfür kommen sämtliche Personen infrage, die in die Risikogruppe fallen. Im Regelfall wird das Programm von behandelnden Ärzten angeordnet, während die Krankenkasse die Kosten für die Nutzung übernimmt.

  • Patienten-App: Nutzer können sich die App auf ihr Handy herunterladen, um so eigenständig ihre Herzfrequenz messen zu lassen. Diese wird dann von einem Algorithmus auf bestimmte Muster und Unregelmäßigkeiten untersucht. Sollte es zu Auffälligkeiten kommen, erhält der Nutzer eine Warnung.
  • Telecare: Neben der Warnung wird der Nutzer von einem Telecare-Mitarbeiter kontaktiert. Hierbei handelt es sich um einen Kardiologen und EKG-Experten, der dabei hilft, das Ergebnis aus der Erstuntersuchung zu überprüfen.
  • Kardiologen-Finder: Wenn sich der Verdacht bestätigt, hilft die App dem Nutzer dabei, einen passenden Kardiologen in seiner Nähe zu finden, um den zweiten Teil des Programms anzutreten.

2. Diagnose – In dieser Phase werden Patienten, die in der Screening-Phase Hinweise auf ein Vorhofflimmern gezeigt haben, in Zusammenarbeit mit einem behandelnden Kardiologen betreut.

  • Tele-EKG-Patch: Beim ersten Arztbesuch bringt dieser einen aufklebbaren EKG-Sensor auf der Brust des Patienten an. Dieser kann dann für bis zu 14 Tage die Herzfrequenz messen, während die Daten in Echtzeit zur Analyse bereitgestellt werden.
  • Telecare: Wenn der Algorithmus Auffälligkeiten in den EKG-Daten findet, wird wieder ein Telecare-Mitarbeiter eingeschaltet, um diese zu überprüfen.
  • Auswertung: Anschließend erhält der behandelnde Kardiologe eine detaillierte Zusammenfassung der EKG-Daten. Mithilfe dieser Informationen kann nun die Behandlung eingeleitet werden, wobei die Auswertung wertvolle Aufschlüsse darüber gibt, welche Medikation oder welche Eingriffe für den Patienten am sinnvollsten sind.

Dieses Vorgehen hat zwei entscheidende Vorteile: Dank des komfortablen Screenings per App können Risikopatienten viel leichter überwacht werden, noch bevor sie explizite Symptome äußern. Somit lassen sich Fälle deutlich früher und flächendeckender erkennen. Zweitens erlaubt das mehrtägige EKG im Gegensatz zum klassischen 24-EKG, die Erkennungsrate von ca. 25 auf über 90 % zu steigern.4

Doch all das wird erst ermöglicht durch die intelligente Datenstruktur, die sich hinter der Lösung befindet. Als Rückgrat des Versorgungsprozesses verbindet sie Aktivitäten aller Akteure (Patient, Arzt, Krankenkasse) miteinander, versorgt sie mit den für sie relevanten Informationen und gewährleistet gleichzeitig die Sicherheit sensibler Daten:

  • Heartbeats App: Die App ist die wichtigste Interaktionsfläche für den Patienten. Hier wird die Herzfrequenz überwacht und mithilfe eines Algorithmus auf potenzielle Unregelmäßigkeiten hingewiesen. Gleichzeitig unterstützt sie Nutzer beim Finden eines passenden Kardiologen.
  • Telecare: Hier werden Auffälligkeiten sowohl in der Screening- als auch Diagnosephase von Experten überprüft. Dadurch kann eine hohe Verlässlichkeit der Prediagnose gewährleistet werden und Daten können entsprechend für den behandelnden Kardiologen aufbereitet werden. Telecare bildet somit das Bindeglied zwischen Arzt und Patient.
  • Carenet: Über diese Plattform erhält der behandelnde Kardiologe in Echtzeit Einblicke in die Daten der EKG-Messung und in von der Telecare erstellte Analysen und Prediagnosen. Gleichzeitig unterstützt sie ihn aber auch bei der Abrechnung der Behandlung mit der Krankenkasse.
  • Caresafe: Für Krankenkassen bietet dieses Interface eine transparente Übersicht über die Behandlung der Versicherten sowie Unterstützung bei der Abrechnung der Patientenfälle.

Beispiel Health Beispiel

Der Schlüssel ist dabei der Gedanke, nicht nur einzelne Funktionen wie die Herzfrequenzmessung zu digitalisieren, sondern den gesamten Versorgungsprozess. So werden eine gezielte und sichere Verarbeitung der Daten und eine optimale Einbindung aller Akteure ermöglicht. Dabei geht die Lösung passgenau auf die jeweiligen Bedürfnisse der einzelnen Akteure ein und schafft dadurch klare Mehrwerte – ein zentraler Punkt, um sie zur Mitarbeit zu motivieren. Denn selbst die intelligentesten technischen Lösungen stehen und fallen mit der Akzeptanz der Menschen, die sie benutzen. Deshalb ist es essenziell, alle Glieder in der Kette aktiv in den neuen Versorgungsprozess zu integrieren.

Besonders wichtig ist die Zertifizierung durch Krankenkassen. Hier bedeutet die Positionierung als Full Service Provider, dass Preventicus den Kassen Sicherheit über die Kosten des gesamten Versorgungsprozesses garantieren kann. So lässt sich ein klarer Return on Investment berechnen: Studien zeigen, dass für eine Kohorte von 10.000 Teilnehmern rund 60 Schlaganfälle und damit rund 1,3 Millionen Euro Kosten gegenüber der klassischen Versorgung vermieden werden können – ein überzeugender Anreiz, den Versorgungsprozess für die Risikogruppe umzustellen.5

Experten Kommentar

„Schlaganfälle sind eine Tragödie! Um dem immer einen Schritt voraus zu bleiben, sollten wir daher unsere Kräfte zusammenschließen. Mit unserer integrierten IT-Plattform bieten wir die Grundlage, um diesen Prozess erfolgreich zu digitalisieren. Damit können wir europaweit Tausende Leben retten und Gesundheitskosten in Milliardenhöhe senken.“

Ljubisav Matejevic (CEO von Preventicus Managed Care)

Experte:
Dr. Mathias Ehrhardt – Geschäftsführer

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Kontakt

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Quellen:

  1. strokeeurope.eu, 2017
  2. Mewis, Riessen, Spyridopoulos (Hrsg.): Kardiologie compact – Alles für Station und Facharztprüfung. 2. Auflage. Thieme, Stuttgart / New York 2006, ISBN 3-13-130742-0, S. 532, 535, 536
  3. sanofi, 2013
  4. Preventicus, 2021
  5. heal the conomics review,  2020

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