Smart Health

2021-03-12T14:06:32+01:0019. Februar 2021|

Wie digitale Smart-Health-Technologien die Versorgungsprozesse im Gesundheitswesen verändern

Was ist Smart Health?

Definition: Smart Health steht für die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Dabei werden Prozesse von der Vor- und Nachsorge bis hin zur Pflege und Betreuung mithilfe digitaler Technologien (z. B. Apps, Software, Smartphones) unterstützt oder teilweise sogar ganz übernommen.

„Wer jetzt nicht handelt, den droht die Welle der Digitalisierung unaufhaltsam zu verschlingen.“

Während andere Branchen wie der Einzelhandel oder das Verlagswesen von der Digitalisierung bereits auf den Kopf gestellt wurden, stehen im Gesundheitsmarkt die größten Veränderungen wohl noch aus. Während es durchaus Gründe gibt, die raschen Änderungen im Wege stehen – starke Regulierung, langwierige Zulassungsprozesse und kostenintensive Entwicklung neuer Produkte –, lockt gleichzeitig ein gewaltiges Potenzial. Allein im deutschen Gesundheitswesen schätzen aktuelle Studien das Einsparungspotenzial durch digitale Smart-Health-Lösungen auf über 30 Mrd. Euro.1

Gleichzeitig finden immer mehr Start-up-Unternehmen den Weg in den Gesundheitsmarkt, wie zum Beispiel die EKG-Lösung Cortrium für Schlaganfallprävention oder die mySugr-App für Diabetes. Aber auch Technologie-Giganten wie Google, Microsoft und Co. haben das Potenzial erkannt und mit Teladoc Health von Microsoft und 23andMe von Google erfolgreiche Unternehmen gestartet. Für die Akteure im deutschen Gesundheitsmarkt bedeutet dies, dass sie sich ein Abwarten nicht mehr lange leisten können. Noch ist der Zug nicht abgefahren, und es bieten sich reichlich Möglichkeiten, um den technologischen Wandel mitzugestalten. Doch wer jetzt nicht handelt, den droht die Welle der Digitalisierung unaufhaltsam zu verschlingen.

Smart Health Sekundärprozesse

Effekte neuer Technologien in Smart Health

Hauptziel der Digitalisierung in Smart Health sind die Versorgungsprozesse im Gesundheitsbereich. Die Effekte neuer Technologien zeigen sich dabei auf drei wesentlichen Ebenen:

1. Behandlung

Die erste Ebene fokussiert sich auf den Therapieprozess selbst. Innovative Technologien ermöglichen hier die Entwicklung einer Vielzahl neuer Produkte und Services, die sich direkt auf den Ablauf der Behandlung auswirken. Hierbei stehen mehrere Trends besonders im Mittelpunkt:

  • Patient Centricity Die Rolle des Verbrauchers hat in der modernen Medizin einen völlig neuen Stellenwert. Dank des Internets haben Patienten Zugriff auf eine nie dagewesene Menge an Informationen und digitalen Dienstleistungen (z. B. Apps, Plattformen etc.). Dieses Wissen erlaubt Patienten, eine deutlich aktivere Rolle in Entscheidungen rund um ihre Behandlung und in der Umsetzung der Therapie einzunehmen. Für Akteure auf dem Gesundheitsmarkt bedeutet dies, dass die Bedürfnisse der Patienten deutlich mehr in den Fokus rücken und sie gezielt in den Versorgungsprozess integriert werden müssen – und zwar nicht bloß als passive Statisten, sondern als eigenständige Schlüsselfiguren.
  • Patient Outcomes In Verbindung mit der neuen Rolle der Patienten ändert sich auch die Anforderung an die Ergebnisse von Gesundheitsdienstleistungen. Statt einer akuten Versorgung von Gesundheitsproblemen rücken immer mehr Themen wie Prophylaxe, Vermeidung und Vor- und Nachsorge in den Vordergrund. Ziel ist es dabei nicht bloß, kurzfristige Therapieerfolge zu erringen, sondern nachhaltig die Lebensqualität des Verbrauchers zu verbessern.
  • Health at Home Seit 2018 ist Telemedizin in Deutschland erlaubt. Dies ermöglicht es, Patienten deutlich einfacher auch in ihren eigenen vier Wänden zu versorgen. Neben den ärztlichen Beratungen per Video Call erweitern neue Technologien auch das Spektrum an Dienstleistungen, die zu Hause empfangen werden können. So unterstützen innovative Lösungen zum Beispiel schon heute die Messung wichtiger Vitalwerte oder die Verabreichung von Medikamenten.
  • Verschreibung digitaler Therapieformen – Digitale Produkte können Behandlungen nicht nur unterstützen, sondern sogar selbst zur Behandlung werden (z. B. Patienten-Apps). Dass digitale Therapieformen mittlerweile durchaus anerkannt werden, zeigt sich darin, dass sie zunehmend von Ärzten angeordnet und die Kosten von Krankenkassen getragen werden können.
  • Smart Devices Intelligente Geräte finden sowohl bei Patienten zu Hause (z. B. Pulstracker, Sensoren zur Messung des Blutzuckerspiegels) Anwendung als auch für die Behandlung in Praxen und Krankenhäusern. So erlauben zum Beispiel Fortschritte in Robotik, künstlicher Intelligenz und Augmented Reality, Eingriffe im OP‑Saal deutlich präziser und weniger invasiv zu gestalten.
  • Selbstbehandlung Gerade bei chronischen Leiden wie Diabetes, aber auch psychischen Erkrankungen können digitale Lösungen den Betroffenen helfen, sich abseits der ärztlichen Behandlung auch selbst zu versorgen. So erlauben zum Beispiel Apps und Smart Devices, wichtige Werte zu messen, Vorfälle zu dokumentieren, die Medikation anzupassen oder behandlungsrelevante Übungen durchzuführen. Solche Lösungen können mitunter hochgradig kreative Ansätze haben, wie beispielsweise Akili Interactive Labs, die Videospiele zur Behandlung von Kindern mit ADHS entwickeln.2

2. Sekundäreprozesse

Neben den Abläufen rund um die Behandlung selbst erfordert jede Gesundheitsdienstleistung auch administrative und geschäftliche Prozesse, die hinter den Kulissen stattfinden. Diese befassen sich mit einer Vielzahl an Themen – von der Abrechnung von Behandlungen über das Management von Personal und Geräten bis hin zur Entwicklung und Zulassung neuer Medikamente. Auch hier zeigen digitale Lösungen großes Potenzial, um Abläufe zu vereinfachen, repetitive Tätigkeiten zu automatisieren und den Datenaustausch sicherer zu gestalten:

  • Management – Wie in anderen Branchen auch werden immer mehr administrative und geschäftliche Tätigkeiten digitalisiert. Moderne Lösungen erlauben dabei nicht nur, Prozesse digital abzubilden und Daten effizienter zu verarbeiten. Entwicklungen in künstlicher Intelligenz und innovative Algorithmen leisten mit ihrer Fähigkeit, große Datenmengen zu analysieren, einen Beitrag bei der Entscheidungsfindung.
  • Abrechnung – Gerade im Gesundheitswesen stellt die Abrechnung von Dienstleistungen eine signifikante Hürde dar. Sie ist mit hohem administrativem Aufwand verbunden und erfordert die Koordination verschiedenster Akteure. Umso begehrter sind Versorgungslösungen, die diese Aktivitäten mit abbilden.
  • Automatisierung Mithilfe digitaler Lösungen lassen sich viele repetitive Arbeiten automatisieren, die früher manuell ausgeführt werden mussten. In Anbetracht des Zeitdrucks und Personalmangels, der bei vielen Gesundheitsversorgern herrscht, können solche Technologien helfen, wertvolle Zeit für die eigentliche Behandlung zu schaffen. Ein Beispiel hierfür sind Sprachverarbeitungssysteme, die klinischem Personal erlauben, die Dokumentation ihrer Arbeit in Echtzeit einzusprechen, statt diese später manuell am Computer einzugeben.3
  • Datenaustausch Neben dem administrativen Aufwand erschweren auch Regularien und strenge Datenschutzverordnungen den Datenfluss zwischen Akteuren im Versorgungsprozess. Das kann mitunter kritische Folgen haben, wenn zum Beispiel wichtige Informationen zu Vorerkrankungen und Allergien nicht übermittelt werden. Durch die Digitalisierung von Datenverarbeitung und Datenaustausch können diese Informationen in Echtzeit und automatisiert übermittelt und entsprechend gesetzlicher Verordnungen angepasst (z. B. anonymisiert) werden.

3. Integration der digitalen Patienten-Journey

Versorgungsprozesse im Gesundheitsbereich umspannen häufig eine Vielzahl von Akteuren und Maßnahmen. Die dabei entstehenden Schnittstellen machen den Prozess anfällig für Fehler wie Missverständnisse oder den Verlust wichtiger Informationen. Deshalb ist es für digitale Lösungen wichtig, möglichst viele dieser Schnittstellen abzubilden und gleichzeitig möglichst wenig neue Schnittstellen (z. B. manuelle Dateneingabe) zu schaffen:

  • End-to-End – Hiermit bezeichnet man den Trend hin zu Lösungen, die einen Versorgungsprozess möglichst in seiner Ganzheit abbilden. Hierzu benötigt es ein digitales Ökosystem, das die Schnittstellen zu allen wichtigen Akteuren managt und sämtliche Informationen in einer zentralen Datenbank verarbeitet. Besonders wichtig ist dabei die Synchronisierung zwischen Offline- und Online-Aktivitäten. So ist es zum Beispiel in einer Behandlung, die teilweise auf Telecare setzt, wichtig, dass am Ende alle Informationen (aus Video Calls und Arztbesuchen) zusammenfließen und miteinander verknüpft werden.
  • Koordination zwischen Akteuren – Isolierte digitale Lösungen stellen Nutzer oft vor erhebliche Schwierigkeiten, wenn es um die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen (z. B. Kardiologie und Anästhesie), Gesundheitsberufen (z. B. Arzt und Physiotherapeut) und Institutionen (z. B. Praxis und Krankenkasse) geht. Ein theoretischer Mehrwert ist schnell zunichtegemacht, wenn Akteure weiter vorne oder hinten im Versorgungsprozess nicht eingebunden sind. Denn im Optimalfall entsteht eine digitale Kette, anhand derer alle Akteure durch den Versorgungsprozess geführt werden und Daten zusammengeführt und gezielt übermittelt werden können. So ist der Mehrwert einer App zum Management der Medikation deutlich höher, wenn sie durch Telecare-Service zu einem behandelnden Arzt und einer liefernden Online-Apotheke verknüpft ist.

Smart Health in Versorgungsprozessen

Smart Health in den Versorgungsprozessen

Smart Health für Hersteller

Hierunter fallen die Produzenten von Pharmaprodukten sowie Hersteller medizinischer Geräte. Für sie geht es zunächst meist darum, den Mehrwert ihrer bestehenden Produkte mithilfe von digitalen Dienstleistungen zu erweitern. Diese können dann zum Beispiel bei der Verwendung oder Einnahme unterstützen oder Menschen mit anderen Betroffenen vernetzen, damit sie sich miteinander austauschen können. Gleichzeitig können sie aber mithilfe innovativer Technologien digitale Lösungen schaffen, welche die Versorgungsprozesse völlig revolutionieren. Hierfür sind vor allem zwei grundlegende Aspekte entscheidend:

a) Patient Needs: Bei der Entwicklung neuer Produkte sollten die Bedürfnisse der Patienten im Mittelpunkt stehen. Das heißt, statt bloß zu schauen, wie der Mehrwert der eigenen Produkte gesteigert werden kann, geht es vielmehr darum, mit welchen Maßnahmen Betroffenen am effektivsten weitergeholfen werden kann. Dabei werden ganz bewusst auch Ideen entwickelt, die weit über die Funktionen der physischen Produkte hinausgehen oder für die diese Produkte einen Baustein in einem umfassenden Lösungsansatz darstellen. So haben sich zum Beispiel Ernährungs-Apps als äußerst effektive Maßnahme beim Reizdarm-Syndrom herausgestellt, die eine Verbesserung der Lebensqualität ermöglicht, wie sie rein mit Medikamenten kaum zu erreichen ist.4

b) Digitales Ökosystem: Genauso wichtig ist es, um die neuen Lösungen herum ein digitales Ökosystem zu schaffen, das möglichst große Teile des Versorgungsprozesses überspannt. Das bedeutet, eine Infrastruktur (z. B. zentrale Datenbank) und Schnittstellen (z. B. ein Portal für behandelnde Ärzte) zu schaffen, über die alle wichtigen Akteure eingebunden sind (siehe oben: 3. Integration der digitalen Patienten-Journey).

Zum Glück sind Hersteller bei der Entwicklung digitaler Lösungen nicht auf sich allein gestellt. Immer wieder zeigen erfolgreiche Kooperationen mit Start-ups, Technologieunternehmen und Digitalberatungen, dass auch traditionelle Pharmafirmen und Gerätehersteller zu Vorreitern in der Digitalisierung von Versorgungsprozessen werden können, wie zum Beispiel das G4A Digital Health Partnerships Program von Bayer oder das Healthcare Lab von Pfizer. Dabei gibt es eine Reihe wichtiger Trends, an denen sie sich orientieren können:

  • Beyond the Pill – Gerade in Bereichen, in denen sich die Wirkungen konkurrierender Medikamente nur wenig unterscheiden, brauchen Pharmaunternehmen neue Argumente für die Verschreibung ihrer Produkte. Dafür eignen sich häufig digitale Dienstleistungen (Apps, Gesundheitsprogramme etc.), die bei der Einnahme der Medikamente oder bei bestimmten Therapiemaßnahmen unterstützen. Hierdurch können die Motivation der Patienten und ihre Mitarbeit in der Therapie angeregt werden und letzten Endes der Behandlungserfolg und die Lebensqualität gesteigert werden – wichtige Aspekte, die einen Arzt bei seiner Behandlungswahl beeinflussen können.
  • Gesundheits-Apps – Apps können nicht nur als Beyond-the-Pill-Lösungen bestehende Produkte unterstützen. Sie können auch selbst zum Produkt werden, indem sie behandlungsrelevante Aufgaben übernehmen (z. B. Trainings- oder Ernährungsprogramme, die durch eine App gesteuert werden). Der große Vorteil von Apps als Behandlungsform ist, dass sie Betroffene durch den Alltag begleiten und jederzeit verfügbar sind. Solche digitalen Behandlungsformen können mittlerweile sogar ärztlich verordnet und von der Krankenkasse bezahlt werden, wodurch sie für Hersteller ein durchaus interessantes Geschäftsmodell darstellen (z. B. die Trainingsapp Therap.io).
  • Smart Devices – Dank innovativer Technologien bieten sich für Hersteller immer mehr Möglichkeiten, intelligente Geräte zu entwickeln, die den digitalen Versorgungsprozess mit wichtigen Daten versorgen oder sogar eigenständig Behandlungsschritte übernehmen. Hierzu zählen verschiedenste Geräte zur Überwachung von Vitaldaten – von Smartwatches über Blutzuckermessgeräte bis hin zu vernetzten Inhalatoren, die Informationen übermitteln und automatisiert weitere Behandlungsschritte einleiten (z. B. Alarmsignale senden, Medikation regulieren, Diagnosen stellen etc.). Aber auch klassische Medizinprodukte wie Operationswerkzeug, das beispielsweise Informationen über Schraubentiefe oder Gewebe bietet, können dabei helfen, Fehler zu minimieren und die Nachbehandlung besser zu managen.
  • Selbstbehandlung – Der Wert von Maßnahmen zur Selbstbehandlung im deutschen Gesundheitswesen wird auf 3,8 Mrd. Euro geschätzt.1 Hierzu gehört eine ganze Bandbreite von Services, die Patienten helfen, Therapiemaßnahmen selbst durchzuführen. Natürlich spielen auch hier Apps wieder eine wichtige Rolle, besonders zur Begleitung chronischer Leiden (z. B. Diabetes, Bluthochdruck) und psychischer Erkrankungen (z. B. Depressionen). Aber auch KI-gesteuerte Chatbots, die Patienten beraten, oder Online-Netzwerke, in denen sich Betroffene untereinander austauschen, gehören dazu.

Smart Health für Grundversorger

Studien zufolge wird geschätzt, dass der durch Digitalisierung entstehende Nutzen zu 70 % Leistungserbringern zugutekommen würde.1 Damit wären Krankenhäuser, Praxen und Ärzte mit Abstand die größten Profiteure des technologischen Wandels – ein starkes Argument, diesen aktiv zu fördern. Konkret bedeutet das für sie, in die nötige Hard- und Software zu investieren und sich in der Handhabung digitaler Behandlungstechniken ausreichend zu schulen. Aus ihrer Sicht sind dabei die folgenden zwei Trends besonders wichtig:

  • Online-Behandlung – Das Gesamtpotenzial von internetbasierten Behandlungsleistungen zwischen Ärzten und Patienten wird auf fast 9 Mrd. Euro geschätzt. Davon entfällt der größte Teil auf Teleberatungen, die gerade bei kleineren Anliegen und Nachuntersuchungen helfen können, Zeit und Aufwand zu minimieren. Besonders in ländlichen Regionen mit starkem Personalmangel kann so die Versorgungsleistung erheblich verbessert werden. Ähnliches Potenzial steckt auch in der Fernüberwachung von Patienten mit chronischen Erkrankungen. Mithilfe moderner Sensoren lassen sich wichtige Vitalwerte in Echtzeit an den behandelnden Arzt übermitteln und überwachen. Das kann sowohl für ein Einschreiten in Notfällen als auch für die Diagnose eventueller Auffälligkeiten von großem Nutzen sein. Eine weitere Anwendung ist die sogenannte E-Triage – Online Tools oder Telefonservices, die im Vorhinein die Dringlichkeit von Anliegen abklären und so Patienten die richtige Versorgung zuweisen (z. B. Notversorgung, Buchung eines Beratungstermins).1
  • Prozess- und Ressourcen-Management – Hierbei geht es zum einen um das Management von Versorgungsprozessen zwischen verschiedenen Gesundheitsberufen. Zum Beispiel ist es wichtig, dass wenn nach einer OP der Patient nach Hause entlassen wird, auch häusliche Pflegekräfte Zugriff auf die Dokumentation des Behandlungsverlaufs haben. Dafür ist entscheidend, dass alle Akteure im selben digitalen Ökosystem arbeiten, damit Informationen problemlos geteilt werden können. Zum anderen bietet die Digitalisierung enormes Potenzial für das Management von sekundären Prozessen hinter der eigentlichen Versorgung. Besonders der hohe Zeit- und Personaldruck erfordert eine effektive Zuteilung von Gesundheitspersonal. Dabei können Personalmanagement-Systeme wertvolle Dienste leisten. Gleichzeitig ist das Management von Geräten und Medikamenten eine große Herausforderung. Lösungen sind hier zum Beispiel smarte Geräte, die automatisch auf Störungen hinweisen, oder Barcodesysteme, die bei der Identifizierung und Verabreichung von Medikamenten wichtige Informationen zur Verfügbarkeit und Verträglichkeit bieten. Zusammengenommen kommen solche Managementlösungen auf ein Potenzial von über 6 Mrd. Euro.1

Smart Health für Versicherer

Auch für Krankenversicherungen bieten Verbesserungen in der Krankenversorgung und in administrativen Abläufen ein enormes Potenzial. Gerade für Krankenkassen ist entscheidend, dass sie verstehen, welche Impulse sie setzen können, um Versorgungsprozesse zu digitalisieren, denn auch, wenn sie nicht operativ in die Versorgung involviert sind, haben sie doch eine bedeutende Entscheidungsmacht. Besonders wichtig ist, dass Versicherer den anderen Akteuren im Gesundheitsmarkt Anreize setzen, mehr auf innovative Lösungen zu bauen. Hier sind vor allem Vergütungsmodelle wichtig, um zum Beispiel den Einsatz von digitalen Behandlungsformen, Telemedizin oder Patienten-Apps für Ärzte und Hersteller zu relevanten Geschäftsmodellen zu machen. Oftmals reicht es hier nicht, nur die Kosten zu übernehmen, sondern es braucht umfassende Reformen, damit sich zum Beispiel Ärzte beim Verschreiben von Selbstbehandlungsmaßnahmen nicht um ihr eigenes Geschäft bringen. Zusätzlich ergeben sich für Versicherer zunehmend Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden und die Entwicklung neuer Lösungen zu initiieren und ihren Versicherten zur Verfügung zu stellen. Folgende Themen sind für sie besonders wichtig:

  • Papierlose Daten – Mit geschätzten 9 Mrd. Euro Nutzenpotenzial gehört dieser Trend zu den wichtigsten im Gesundheitsmarkt überhaupt. An erster Stelle steht hier die elektronische Patientenakte, die eine essenzielle Grundlage schafft, damit Gesundheitsdaten von allen Akteuren erfasst, gespeichert und abgerufen werden. Hierdurch lassen sich die Abläufe zwischen den Versorgern erheblich verbessern und eventuelle Fehlinformationen und Doppelbehandlungen verhindern. Für ein digitales Ökosystem ebenfalls wichtig sind E-Rezepte. Diese vereinfachen nicht nur den Verschreibungsprozess, sondern erlauben in Verbindung mit der elektronischen Patientenakte, potenziellen Wechselwirkungen oder Unverträglichkeiten vorzubeugen.1
  • Prävention – Krankheiten wie Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen, Diabetes und psychische Erkrankungen, aber auch Rücken- und Gelenkschmerzen – auch bekannt als Volksleiden – verursachen in Deutschland jährliche Kosten von rund 150 Mrd. Euro. Das entspricht ungefähr der Hälfte aller Gesundheitskosten.5 Bekanntermaßen wird das Ausmaß vieler dieser Krankheiten stark durch eine ungesunde Lebensführung (z. B. Schlaf- und Bewegungsmangel, Stress und Alkohol- und Zigarettenkonsum) bedingt. Umso wichtiger ist also, dass Versicherer gezielt in die Prävention investieren, denn der beste Patient ist einer, der gar nicht erst krank wird. Dafür sind drei Aspekte entscheidend:

a) Informieren: Mit gezielten Informationskampagnen (z. B. Informationsseiten, Newsletter) kann das Bewusstsein für Risiken und Maßnahmen gesteigert werden.

b) Aktivieren: Konkrete Angebote (z. B. Fitness-Apps oder Rezeptanleitungen zum Kochen) helfen, die Versicherten zu motivieren, und unterstützen sie in einem gesunden Lebenswandel.

c) Diagnose: Für viele Erkrankungen gilt, dass eine frühe Erkennung die Prognose deutlich verbessert. Deshalb ist es wichtig, Risikogruppen für wichtige Vorsorgemaßnahmen wie zum Beispiel Gesundheits-Checks zu sensibilisieren. Dank innovativer Technologien lassen sich Daten für solche Überprüfungen zunehmend auch von zu Hause aus (z. B. Fitnessarmband) sammeln und mithilfe KI-gesteuerter Systeme automatisiert auswerten.

Fallbeispiel Smart Health – Preventikus 

Trotz des Potenzials solcher Vorhaben stellt sich für kritische Stimmen die Frage, wie realistisch die Umsetzung solcher Projekte ist und ob Digitalisierung denn wirklich mehr ist als ein modern klingendes Schlagwort, dem meist wenig Konkretes folgt. Dabei handelt es sich bei einigen Lösungen schon heute nicht mehr um Zukunftsmusik. Erste Pionierprojekte zeigen, dass die Digitalisierung von Versorgungsprozessen schon jetzt Einzug in die medizinische Wirklichkeit gefunden hat und von Kassen freigegeben ist, wie zum Beispiel bei der Prävention von Schlaganfällen für Menschen mit Vorhofflimmern. Weil sich herkömmliche Methoden schwertun, die meist unspezifischen Symptome frühzeitig zu erkennen, hat das Start-up Preventicus eine App entwickelt, die Herzfrequenzen per Handykamera aufzeichnet und automatisiert auswertet. Um die App wurde ein digitales Ökosystem entwickelt, das Nutzern bei Auffälligkeiten erlaubt, die Ergebnisse per Telecare prüfen zu lassen und gegebenenfalls mit einem Kardiologen vernetzt zu werden, um eine umfassende Diagnose zu starten.
Das ganze Fallbeispiel finden Sie unter diesem Link:

Experten Tipp

„Wir sehen bei vielen unserer Kunden, dass das Thema Digitalisierung oft noch große Unsicherheit hervorruft. Auf der einen Seite ist ihnen bewusst, dass etwas passieren muss, auf der anderen Seite wissen sie aber häufig nicht, wo sie beginnen sollen. Sobald wir ihnen dann aber eine patientenzentrierte Brille aufsetzen, wird ihnen plötzlich klar, wie viel ungenutztes Potenzial sich mit digitalen Technologien erschließen lässt.“ 

Experte:
Dr. Mathias Erhardt – Geschäftsführer

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Kontakt

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Quellen:

  1. mckinsey, 2018
  2. msn, 2020
  3. pulseitmagazine, 2014
  4. verywellhealth, 2020
  5. destatis, 2017

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